Fernbus, Bahn oder Flugzeug: Was der CO2-Vergleich der Verkehrsmittel wirklich zeigt
Wer nachhaltig reisen möchte, greift meist reflexhaft zur Bahn – dabei zeigen aktuelle Daten des Umweltbundesamts ein überraschendes Ergebnis: Der Fernbus schneidet in der Klimabilanz mindestens genauso gut ab wie der Zug, in manchen Berechnungen sogar noch etwas besser. Bei einem Bruchteil der Kosten und mit einem der geringsten CO2-Fußabdrücke aller motorisierten Verkehrsmittel überhaupt ist der Fernbus damit eine der unterschätztesten nachhaltigen Reiseoptionen in Deutschland. Dieser Ratgeber zeigt die aktuellen Zahlen im Detail – und erklärt, warum ausgerechnet die hohe Auslastung der Busse den entscheidenden Unterschied macht.
Die aktuellen Zahlen des Umweltbundesamts
Unter den motorisierten Verkehrsmitteln liegen Fernbus und Bahn im Fernverkehr nahezu gleichauf an der Spitze der klimafreundlichsten Optionen: Beide verursachen im Schnitt rund 31 Gramm CO2 pro Personenkilometer. Zum Vergleich: Ein durchschnittliches Auto kommt auf 166 Gramm pro Personenkilometer, ein Flugzeug auf 238 Gramm. Nur Fahrrad und Zufußgehen mit null Gramm sowie E-Scooter mit rund 3 Gramm schneiden noch besser ab.
Die historische Entwicklung zeigt dabei eine positive Tendenz: 2022 lag der CO2-Ausstoß von Fernbussen bei rund 31 Gramm pro Personenkilometer – fast wieder auf dem Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019 mit 30 Gramm. 2021, als die Pandemie die Auslastung der Fahrzeuge noch stark einschränkte, lag der Wert dagegen bei 37 Gramm. Das zeigt bereits den entscheidenden Faktor für die Klimabilanz von Bus und Bahn: die tatsächliche Auslastung des Fahrzeugs.
Warum die Auslastung der eigentlich entscheidende Faktor ist
Ein Verkehrsmittel mit sehr guter theoretischer Klimabilanz kann in der Praxis trotzdem schlecht abschneiden, wenn es kaum ausgelastet ist – umgekehrt gilt: je voller das Fahrzeug, desto günstiger die Emissionen pro Person. Im Schnitt liegt die Auslastung bei einem Pkw bei nur 37,5 Prozent (durchschnittlich 1,4 Personen pro Fahrzeug), während sie bei einem Fernzug bei rund 56 Prozent und beim Fernbus sogar bei 57 Prozent liegt. Genau diese hohe, effiziente Auslastung ist der Grund, warum der Fernbus trotz vergleichsweise einfacher Technik so gut abschneidet – die Emissionen des Antriebs werden auf sehr viele Fahrgäste gleichzeitig verteilt.
Das Flugzeug: Mit Abstand die klimaschädlichste Option
Bei Inlandsflügen lag die CO2-Bilanz laut Umweltbundesamt zuletzt bei rund 238 Gramm je Personenkilometer – damit verursacht ein Flug fast achtmal so viel CO2 wie eine vergleichbare Fernbus- oder Bahnfahrt. Konkret bedeutet das: Ein Flug von Berlin nach Nizza verursacht pro Person bereits rund 307 Kilogramm CO2 – in nur zwei Flugstunden knapp 3 Prozent des durchschnittlichen jährlichen CO2-Fußabdrucks einer Person. Zum Vergleich für dieselbe Strecke: mit dem Auto rund 205 Kilogramm, mit dem Elektroauto rund 89 Kilogramm, mit der Bahn rund 47 Kilogramm – und mit dem Fernbus nur rund 36 Kilogramm CO2 pro Person.
Hinzu kommt ein Aspekt, der in reinen CO2-Zahlen oft untergeht: Bei der Verbrennung von Flugzeugtreibstoff entstehen neben CO2 auch Stickoxide, Rußpartikel und Wasserdampf, die in der üblichen Reiseflughöhe zusätzliche atmosphärische Prozesse auslösen können – mit einer Klimawirksamkeit, die laut Forschung deutlich über der von CO2 allein liegt.
Die Bahn: Fast emissionsfrei im deutschen Fernverkehr
Ein besonders bemerkenswerter Wert: Laut einer 2025 veröffentlichten Statistik der Deutschen Bahn verursacht der elektrische DB-Fernverkehr in Deutschland inzwischen weniger als 1 Gramm CO2-Äquivalent pro Personenkilometer – ein Wert, der stark vom hohen Anteil erneuerbarer Energien im Bahnstrommix profitiert. Dieser Wert bezieht sich allerdings spezifisch auf den elektrischen Fernverkehr der Deutschen Bahn und ist damit deutlich niedriger als der allgemeine Umweltbundesamt-Durchschnittswert für „Bahn im Fernverkehr“ insgesamt, der auch nicht-elektrifizierte Strecken und andere Bahnanbieter mit einbezieht.
Warum der Fernbus oft übersehen wird
Trotz seiner exzellenten Klimabilanz genießt der Fernbus in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich weniger „grünes“ Image als die Bahn – ein Wahrnehmungsproblem, das die tatsächlichen Zahlen nicht widerspiegeln. Der Verkehrsclub Deutschland weist ausdrücklich darauf hin, dass Reisen mit dem Fernbus sogar noch umweltfreundlicher sein können als mit der Bahn, da Busse in der Praxis häufig optimaler ausgelastet sind als Züge.
Externe Kosten: Ein weiterer Blick auf die Gesamtbilanz
Neben der reinen CO2-Bilanz lohnt sich auch ein Blick auf die sogenannten externen Kosten des Verkehrs – also Schäden durch Luftverschmutzung, Lärm, Unfälle und Klimaeffekte, die nicht direkt von den Verursachern selbst getragen werden. Laut Umweltbundesamt belaufen sich diese externen Kosten des Straßenverkehrs insgesamt auf über 140 Milliarden Euro jährlich in Deutschland. Pro gefahrenem Autokilometer entstehen dabei externe Kosten von rund 5 Cent, während die Bahn nur etwa 1,8 Cent und der Fernbus rund 2,5 Cent pro Personenkilometer verursacht – auch bei dieser umfassenderen Betrachtung liegen Bahn und Fernbus damit deutlich vor dem Auto.
Was das für die eigene Reiseplanung bedeutet
Für Kurz- und Mittelstrecken innerhalb Deutschlands und Europas: Der Fernbus ist eine der klimafreundlichsten Optionen überhaupt – kombiniert mit dem günstigsten Preis unter allen motorisierten Verkehrsmitteln eine doppelt überzeugende Wahl für preis- und klimabewusste Reisende.
Bei der Wahl zwischen Bahn und Fernbus: Beide Optionen liegen in der offiziellen Statistik nahezu gleichauf – die Entscheidung kann sich hier stärker an Reisezeit, Komfort und Preis orientieren, ohne dass eine der beiden Optionen klimatechnisch klar im Nachteil wäre.
Bei Inlandsflügen: Wer eine Strecke fliegt, die auch mit dem Fernbus oder der Bahn in vertretbarer Zeit erreichbar wäre, verursacht ein Vielfaches der Emissionen im Vergleich zur bodengebundenen Alternative – ein Faktor, der bei der Reiseplanung durchaus mitgedacht werden kann.
Bei sehr langen Strecken ohne bodengebundene Alternative: Hier bleibt das Flugzeug oft die einzige praktikable Option – Reisende können den Klimaschaden aber durch bewusst längere Aufenthalte am Zielort (statt mehrerer Kurztrips) oder freiwillige Kompensationszahlungen zumindest teilweise ausgleichen.
Fernbus-Reisen konkret planen
Wer seine nächste Reise klimabewusst und günstig mit dem Fernbus planen möchte, findet aktuelle Verbindungen quer durch Deutschland und Europa auf Fernbus-Vergleich.biz. Wer für die Anreise zum Bushof noch einen Parkplatz sucht, findet auf Parken-am-Flughafen.biz auch praktische Hinweise für kombinierte Reisen mit Umstieg zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln.
Fazit: Der Fernbus verdient ein besseres Image
Die aktuellen Zahlen des Umweltbundesamts zeigen deutlich: Der Fernbus gehört zu den klimafreundlichsten motorisierten Verkehrsmitteln überhaupt – auf Augenhöhe mit der Bahn und weit vor Auto und Flugzeug. Wer beim nächsten Reiseantritt bewusst zwischen den Verkehrsmitteln abwägt, sollte den Fernbus nicht nur wegen des günstigen Preises, sondern auch wegen seiner überraschend guten Klimabilanz in Betracht ziehen.
Redaktionell erstellter Artikel. CO2-Werte basieren auf Daten des Umweltbundesamtes (TREMOD-Modell) und weiteren Quellen (Stand 2025/2026) und können je nach Berechnungsmethode und Auslastung variieren. Alle externen Links wurden sorgfältig ausgewählt.